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Hilfe für Mensch und Tier TIERTAFEL HAMBURG Seit fast 20 Jahren ist die Tiertafel Hamburg e. V. Anlaufstelle für Menschen, die aus finanzieller Not Unterstüt- zung bei der Versorgung ihres Haustieres benötigen. Ein Ort, an dem Tier und Mensch gesehen werden und der neben Futter und veterinärmedizinischer Versorgung auch Hoffnung schenkt. Fotos: Magdalena Stockschläder, www.hundertblicke.eu Ile zwei Wochen bilden sich lange Schlangen vor dem Gar- agentor des ehemaligen Autohauses im Hamburger Stadtteil Wandsbek. Wo einst Reifen gelagert und unter Hebebühnen geschraubt wurde, stehen heute Lastenregale gefüllt mit Tiernahrung. Es ist Ausgabetag in der Tiertafel Hamburg e. V. Die meisten Wartenden kommen nicht allein. Sie haben ihren Vierbeiner mit dabei. ‚Aiko ist einer der ersten, der Einlass findet und mit seiner Besitzerin am ‚Ausgabetresen vorstellig wird. Er hat eine Vorliebe für Insektensnacks. Das weiß nicht nur seine Besitzerin, sondern auch das Tiertafelteam. Für den Australian Shepherd ist bereits einer seiner Lieblingssnacks re- serviert. Man kennt sich hier, tauscht sich aus. Wie geht es dem Hund, der Familie, einem selbst? „Viele unserer Kunden leben aufgrund ihrer Situation sehr isoliert und haben häufig mit Vorurteilen zu tun“, erklärt Kara Schott, die Vorsitzende des Vereins. „Daher ist es uns so wichtig, ein Angebot zu schaffen, das über die reine Versorgung des Haustieres hinausgeht.“ Seit einiger Zeit sind an den Ausgabetagen nicht nur eine Tierärztin und eine Physiotherapeutin für Hunde ehrenamtlich vor Ort. ‚Auch eine Psychologin und ein Sozialarbeiter wechseln sich ab, bieten Unterstützung an. Für Aiko geht es heute noch in die kleine Tierarztpra- xis. Er muss auf die Waage und der Impfschutz wird aufgefrischt. Wäh- rend der Wartezeit gibt es eine warme Suppe für seine Besitzerin - eine Spende des Schulcaterers AlsterFood, die nicht nur für warme Bäuche, sondern auch für Austausch miteinander sorgt. Bereits seit 20 Jahren bietet die Tiertafel Hamburg Hilfe, wenn die Ver- sorgung des Haustieres zur finanziellen Überforderung wird. Einst ge- gründet vom Dachverband Deutschland, ist sie heute ein eigenständi- ger Verein. Während der Coronazeit schlossen viele Tiertafeln. Zu hoch das Risiko und zu groß die Anforderungen, um den Betrieb in dieser schwierigen Zeit aufrechtzuerhalten. Für Kara Schott und ihr Team war klar: „Wir machen auf jeden Fall weiter“. Alles wurde nach draußen verlagert, Masken und Handschuhe verteilt, ein eigenes Testzentrum auf die Beine gestellt. ‚Wir haben uns in Corona verdreifacht. Das war wirklich eine heftige Zeit.“ Seitdem sind die Zahlen derer, die zeitweise oder auch längerfristig auf Unterstützung der Tiertafel angewiesen sind, gleichbleibend hoch. Insbesondere Privatinsolvenzen und psychische Erkrankungen haben zugenommen. Rund 1200 Tiere versorgt der Ver- ein im Monat. „Es hat mit Corona angefangen, dann kam die Inflation, dann die Erhöhung des GOT-Satzes - also der Gebührenordnung für Tierärzte“, fasst Kara Schott zusammen. Der Zufall brachte die fröhliche Tierliebhaberin zur Tiertafel. Während einer Sprecherausbildung lernt sie eine junge Frau kennen, die sich eh- renamtlich bei der Tiertafel engagiert. Aus dem „komm doch mal mit“ wird ein fester Lebensbestandteil. Fast 20 Jahre lang engagiert sich die Stylistin neben ihrem Job um die Belange des Vereins, lange Zeit davon als Vorsitzende: Ein Fulltimejob neben dem Fulltimejob. Seit Kurzem ist sie die einzige Festangestellte der Anlaufstelle für bedürftige Tierhal- ter. Auch abseits der Ausgabetage hält sie alle Fäden in der Hand. Die Mietkosten für die Räume und einen Teil der Impfkosten trägt der Be- zirk Wandsbek, alles andere muss aus eigener Kraft gestemmt werden: Spenden beschaffen, Abholungen koordinieren, Kooperationen mit anderen Organisationen pflegen, den Dialog mit Stadt und Behörden führen, Social Days auf die Beine stellen... Das geht nur, wenn Organi- sationstalent auf Optimismus und Pragmatismus trifft. Trotz der Vielzahl der Menschen, die heute gekommen sind, geht es bei der Ausgabe ruhig zu. Auf die Frage, ob das Angebot der Tiertafel von Menschen ausgenutzt wird, antwortet Kara Schott mit einem klaren Nein: „Für die Menschen fühlt es sich ohnehin schon doof an, dass sie Hilfe in Anspruch nehmen müssen, es nicht aus eigener Kraft schaffen. Die Hemmschwelle, unsere Hilfe in Anspruch zu nehmen, ist hoch.“ Kla- re Kriterien regeln, wer Hilfe in Anspruch nehmen darf und wer nicht. Die Bedürftigkeit muss durch offizielle Dokumente wie den Bürgergeld- bescheid belegt werden. Und noch etwas ist Kara Schott und ihrem Team ganz wichtig: „Wir möchten, dass das Tier angeschafft wurde, während der Besitzer noch erwerbstätig war. Es ist ein furchtbar unro- mantischer Gedanke, aber ein Tier kostet einfach Geld. Wir wissen, dass es Menschen gibt, die sehr allein sind und Tiere ein Trost sein können. Nichtsdestotrotz muss man bei der Anschaffung eines Tieres seine Ver- sorgung gewährleisten können - auch dann noch, wenn es mal krank ist oder Spezialfutter benötigt.“ DAS FUTTERHAUS | SEITE II
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