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Foto: RichardGrlin - tock.adebe.com SEITE38 | DAS FUTTERHAUS NATURSCHUTZ Und auch unsere Infrastruktur bleibt nicht verschont: Invasive Mu- scheln wie die Zebramuschel verstopfen die Einlassrohre von Fabriken, Kraftwerken oder Wasseranlagen, was sehr aufwendige und teure Wartungen nach sich zieht. Der Japanische Staudenknöterich wächst oft an Flussufern, aber seine Wurzeln stabilisieren den Boden kaum. Weil unter den dichten Beständen kaum andere Pflanzen wachsen, die den Boden halten, wird er im Winter leichter weggespült. Das gefährdet die Ufersicherheit und erhöht die Erosionsgefahr. Auch invasive Tiere wie die Bisamratte und die Nutria verursachen viele Schäden, indem sie Deiche und Hochwasserschutzanlagen untergraben. Das führt oft zu teuren Reparaturen und mehr Aufwand beim Hochwasserschutz. Trägt der Klimawandel zur Ausbreitung invasiver Arten bei? Ja, der Klimawandel spielt eine große Rolle bei der Ausbreitung inva- siver Arten. Höhere Temperaturen und veränderte klimatische Bedin- gungen verändern die Bedingungen in Lebensräumen, die für viele fremde Arten ursprünglich nicht geeignet waren. Gleichzeitig leiden heimische Arten oft unter diesen Veränderungen und können im Wett- bewerb mit den invasiven Arten nicht mehr gut mithalten. Außerdem sorgt das mildere Klima dafür, dass im Winter weniger der invasiven Ar- ten sterben undsie sich schneller vermehren können. All das hilft ihnen, sich noch stärker auszubreiten. Wie können Privatpersonen zur Eindämmung invasiver Arten bei- tragen? Privatpersonen können viel dazu beitragen, invasive Arten einzudäm- men. Oft schon mit ganz einfachen Schritten. Zum Beispiel sollte man keine invasiven Pflanzen im Garten anpflanzen, die sich in der Regel schnell ausbreiten und dabei oft heimische Arten verdrängen. Besser ist es, heimische oder zumindest nicht-invasive Pflanzen zu wählen. On- line-Datenbanken helfen zu prüfen, ob eine Pflanze invasiv ist oder nicht. ‚Außerdem sollte man niemals Gartenabfälle in der Natur entsorgen, weil sich so invasive Arten weiterverbreiten können. Auch freigelassene Haustiere oder umgesetzte Pflanzen können zum Problem werden. Riesenbärenklau Richtet jede invasive Art Schäden an oder gibt es auch Beispiele für positive Effekte? Es gibt hier und da auch positive Effekte. Manche invasiven Pflanzen helfen zum Beispiel, erodierte Böden zu stabilisieren oder bieten zu- sätzliche Nahrung für bestimmte Tiere. Besonders in stark vom Men- schen veränderten Gebieten wie Industrieflächen oder Häfen können sogenannte Neophyten oft schneller wachsen als heimische Pflanzen und erleichtern so die Besiedlung karger Flächen. Ein paar invasive ‚Arten sind sogar wichtige Nahrungsquellen: Der Riesenbärenklau zum Beispiel ist für Bienen eine wichtige Spättrachtpflanze, und das Drüsige Springkraut wird von Hummeln gerne genutzt. Sogar invasive Insekten- larven, wie die der Rosskastanienminiermotte, sind inzwischen Futter für Meisen in Stadtparks. Ein weiteres Beispiel ist die Zebramuschel im Bodensee. Sie ist in den 1960er Jahren eingewandert und hat die Zahl der überwinternden Wasservögel wie Enten und Blässhühner vervier- facht, weil sie eine wichtige Nahrungsquelle sind. Studien zeigen, dass die Vögel im Winter große Mengen dieser Muscheln fressen und so de- ren Population zumindest etwas kontrollieren. Wie sieht Ihrer Ansicht nach effektiver Naturschutz unter Einbezie- hung invasiver Tierarten aus? Der Naturschutz muss im Umgang mit invasiven Tierarten vor allem re- alistisch und pragmatisch sein. Viele von ihnen sind inzwischen fest in der heimischen Fauna verankert. Sie komplett ausrotten zu können, ist utopisch. Viel wichtiger ist es, die heimischen Arten so zu unterstützen, dass sie mit den invasiven Arten zusammenleben können. Die Umwelt verändert sich ständig, und wie stark eine invasive Art ein heimisches Ökosystem beeinflusst, hängt ganz davon ab, wie stabil das System ist. Deshalb bin ich überzeugt, dass der beste Weg darin besteht, hochwer- tige Lebensräume zu schaffen, zu schützen und weiterzuentwickeln. Je ‚größer und vielfältiger diese Lebensräume sind, desto weniger negativ wirken sich invasive Arten aus. Manuel Hensen, Artenschützer und Wildbienen- experte der Deutschen Wildtier Stiftung
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